Anbau & ErnteFortgeschritten10 Min 3 QuellenAktualisiert: 2026-06-02

Magnesiummangel bei Cannabis erkennen und beheben

Interveinale Chlorose an älteren Blättern ist das Leitsymptom. So unterscheidest du echten Mangel von pH-bedingter Blockade und korrigierst gezielt über Substrat-pH und Mg-Zufuhr.

Leitsymptom

Interveinale Chlorose, ältere Blätter zuerst

Mobilität

Mobil (Verlagerung in junge Blätter)

pH-Fenster Mg (Coco/Hydro)

5.8–6.2

pH-Fenster Mg (Erde)

6.2–6.8

Schnellkorrektur

MgSO4 1–2 g/L Wurzelgabe

Kernpunkte

  • Magnesium ist mobil: Mangel zeigt sich zuerst an den ÄLTEREN, unteren Blättern als interveinale Chlorose bei grün bleibenden Blattadern.
  • Häufigste Ursache ist nicht zu wenig Mg, sondern eine pH-bedingte Blockade — Wurzelzonen-pH unter 5.8 (Hydro/Coco) bzw. unter 6.0 (Erde) sperrt Mg.
  • Korrigiere zuerst den pH-Korridor, dann ergänze Mg über Bittersalz (MgSO4) 1–2 g/L als Wurzelgabe; Blattspray nur als Notmaßnahme.

Hinweis

  • Erhöhe niemals die Mg-Dosis, bevor der Wurzelzonen-pH im Zielfenster liegt — bei pH-Blockade führt das nur zu Salzstress.
  • Bereits nekrotische Blätter sind verloren; entferne stark befallene Blätter, um Pilzdruck in der Blüte zu senken.
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Definition und Einordnung

Magnesiummangel ist eine Unterversorgung mit pflanzenverfügbarem Mg²⁺ im Gewebe. Magnesium ist das Zentralatom des Chlorophyllmoleküls — ohne Mg kein funktionsfähiger Photosyntheseapparat.

Cannabis zeigt Mg-Mangel besonders in der schnellen Streck- und frühen Blütephase, wenn der Bedarf steigt und konkurrierende Kationen (K⁺, Ca²⁺, NH4⁺) die Aufnahme antagonisieren.

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Wissenschaftlicher Hintergrund

Mg²⁺ bindet im Chlorophyll a/b und aktiviert über 300 Enzyme, darunter die RuBisCO-Aktivase und ATP-abhängige Kinasen. Fehlt Mg, bricht die CO₂-Fixierung ein und reaktive Sauerstoffspezies schädigen das Mesophyll.

Weil Mg phloemmobil ist, baut die Pflanze es aus älteren Blättern ab und verlagert es in die Wuchsspitzen — daher beginnt die Chlorose immer unten.

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Pflanzenphysiologie und Mobilität

Mobile Nährstoffe (N, P, K, Mg) wandern bei Mangel von alt nach jung. Das ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal: Mg- und N-Mangel starten unten, Ca-, Fe- und S-Mangel starten oben.

Bei Mg bleiben die Blattadern auffällig grün, während das Gewebe dazwischen aufhellt — ein 'Fischgräten'-Muster, das später in rostbraune nekrotische Flecken übergeht.

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Symptome nach Schweregrad

Stadium 1 (leicht): Mattes Hellgrün zwischen den Adern an den untersten 2–3 Blattetagen, Adern bleiben sattgrün.

Stadium 2 (mittel): Deutliche gelbe Felder zwischen den Adern, Blattränder beginnen sich nach oben zu wölben; die Chlorose wandert eine Etage höher.

Stadium 3 (schwer): Rostbraune bis purpurne nekrotische Flecken, Blätter werden brüchig und fallen ab; in der Blüte sinkt das Knospengewicht messbar.

Checkliste

  • Untere Blattetagen auf interveinale Aufhellung prüfen
  • Adern: bleiben sie grün? → Hinweis auf Mg, nicht N
  • Nekrose-Flecken rostbraun? → fortgeschrittenes Stadium
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Ursachen — nach Häufigkeit geordnet

1. pH-Blockade (häufigste Ursache): Substrat-/Lösungs-pH unter 5.8 (Coco/Hydro) bzw. 6.0 (Erde) reduziert die Mg-Aufnahme drastisch, obwohl genug Mg vorhanden ist.

2. Kationen-Antagonismus: Zu hohe K- oder Ca-Dosierung verdrängt Mg an den Wurzelaufnahmestellen.

3. Echte Unterversorgung: RO-/Weichwasser ohne Mg-Zusatz, einseitige Dünger ohne Mg-Anteil.

4. Auswaschung: Überwässerung in Coco/Hydro spült das leicht lösliche Mg aus der Wurzelzone.

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Diagnose — Regelbasierter Entscheidungsbaum

Schritt 1: Sitzt die Chlorose an alten oder jungen Blättern? Alt → Mg oder N wahrscheinlich.

Schritt 2: Bleiben die Adern grün (interveinal)? Ja → Mg. Nein, gleichmäßig blass → eher N.

Schritt 3: Miss den Wurzelzonen-pH (Drainagewasser/Substrat). Liegt er unter dem Mg-Fenster → primär pH-Blockade, nicht Dosierung erhöhen.

Schritt 4: Prüfe die EC. Sehr hohe EC mit viel K/Ca → Antagonismus; spüle und stelle das Verhältnis neu ein.

Checkliste

  • pH der Wurzelzone messen (nicht nur den der Stammlösung)
  • EC der Drainage gegen Zulauf vergleichen
  • K:Mg- und Ca:Mg-Verhältnis der Rezeptur prüfen
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Korrekturmaßnahmen

1. pH zuerst in den Zielkorridor bringen: Coco/Hydro 5.8–6.2, Erde 6.2–6.8. Oft löst das den 'Mangel' ohne Mehrdüngung.

2. Mg über die Wurzel ergänzen: Bittersalz (MgSO4·7H₂O) 1–2 g/L in die Nährlösung, EC danach kontrollieren.

3. Notfall-Blattspray: 20 g/L MgSO4 fein vernebeln, nicht in voller Beleuchtung — wirkt schnell auf bestehende Blätter, ersetzt aber keine Wurzelversorgung.

4. Antagonismus entschärfen: K- und Ca-Anteil senken, bis das Ca:Mg-Verhältnis bei etwa 3:1 bis 4:1 liegt.

Checkliste

  • pH korrigieren BEVOR Mg erhöht wird
  • MgSO4 1–2 g/L, EC nachmessen
  • Bereits chlorotische Blätter ergrünen nicht mehr — neue Triebe beobachten
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Vorbeugung

Verwende Cal-Mag-Zusätze konsequent bei RO-/Weichwasser; ziele auf 50–70 mg/L Mg in der fertigen Lösung.

Halte das pH-Management stabil: tägliche Drainage-pH-Messung statt nur Zulaufkontrolle.

Skaliere K in der Blüte nicht aggressiv hoch, ohne Mg proportional mitzuführen.

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Umwelt- und Nährstoffwechselwirkungen

Niedrige Wurzeltemperaturen (< 18 °C) bremsen die Mg-Aufnahme zusätzlich — ein vermeintlicher Mangel kann ein Temperaturproblem sein.

Hohe Transpiration (niedriges VPD-Management, starke PPFD) erhöht den Mg-Durchsatz; bei knapper Versorgung tritt der Mangel dann zuerst auf.

Ca, K und Mg konkurrieren um dieselben Transporter — das Verhältnis ist wichtiger als die Einzeldosis.

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Häufige Fehler

Mg-Dosis erhöhen, ohne den pH zu prüfen — verschärft bei pH-Blockade nur den Salzstress.

Erwartung, dass gelbe Blätter wieder grün werden — sie tun es nicht; bewerte den Erfolg an neuen Blättern.

Blattspray als Dauerlösung statt Wurzelkorrektur.

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Fortgeschrittene Überlegungen

In rezirkulierenden Hydro-Systemen reichern sich Antagonisten an; ein periodischer Reset der Reservoirlösung hält das Ca:Mg-Verhältnis stabil.

Eine Blattanalyse (Trockenmasse) gibt Sicherheit: Mg-Gehalte unter ~0.2 % der Trockenmasse gelten als defizitär.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich Mg-Mangel sicher gegenüber Stickstoffmangel?
Bei Mg bleiben die Blattadern grün, während das Gewebe dazwischen aufhellt (interveinal). Bei N-Mangel vergilbt das ganze Blatt gleichmäßig von der Spitze her. Beide starten an alten Blättern.
Wie schnell wirkt eine Mg-Korrektur?
Neue Triebe zeigen innerhalb von 5–10 Tagen Besserung. Bereits chlorotische Blätter ergrünen nicht wieder — beurteile den Erfolg ausschließlich am Neuaustrieb.
Brauche ich bei Leitungswasser einen Cal-Mag-Zusatz?
Meist nicht — hartes Leitungswasser enthält oft schon ausreichend Mg und Ca. Bei RO-/Weichwasser ist ein Cal-Mag-Zusatz dagegen praktisch Pflicht.
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    Marschner's Mineral Nutrition of Higher Plants

    Academic Press · 2012

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    Plant Nutrition Manual

    CRC Press · 2014

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    Photosynthetic Response of Cannabis to Nutrient and Light Intensity

    Frontiers in Plant Science · 2020

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